Über die Tücken des Alkoholismus in Verbindung mit Kohleheizung
Das schmale Bändchen mit dem überraschenden Titel „Über die Tücken des Alkoholismus in Verbindung mit Kohleheizung“ versammelt neben ausgewählten Gedichten aus drei vorangegangenen Lyrikbänden neue, unveröffentlichte Gedichte, Balladen und Kurztexte. In allen Gedichten begegnet uns der genaue Blick des Autors, der sich auf den Menschen und den Alltag einlässt. Dabei sind die kurzen Vierzeiler oder die längeren Balladen begleitet von kritischen Reflexionen.
Das lyrische Ich taucht nur sporadisch auf, meist sind es die kleinen und unscheinbaren Dinge am Rande des Lebens, denen sich Salli Sallmann widmet, wie in „Der Goldfisch im Gurkenglas“ oder „Campingplatz-Grillparty“. Die Gedichte bilden häufig mit ihrer bissigen Ironie eine Melange aus Bänkelgesang, Kneipen-Poesie und Jahrmarktslyrik.
Dass Sallmann ein lyrischer Umstürzler ist, beweisen seine „00-Gedichte“ unter dem Motto „Der Blödsinn, wenn er Sinn haben soll, muss blöd sein“. Die Gedichte lassen sich einfach lesen, aber sie sind nicht einfach daher geschrieben, denn die Wortwahl reicht von doppeldeutigen Formulierungen bis zu anspruchsvollen Wortspielen. („Gestern existiert nicht / Heute ist zerstritten / Morgen ist ein Irrtum / Ich darf um Ruhe bitten“).
Wer also offen für kritische und morbide Gedanken ist, sollte diese Lyrikausgabe zur Hand nehmen. Der vielsagende Titel passt wie die Faust aufs Auge. Alles zusammen reizt im besten Sinne zum Stöbern und Verweilen in diesen reichlich hundert Seiten. Mit Fug und Recht kann man sagen: Sallmanns Gedichte gehören zum Vergnüglichsten und Grotesktesten auf dem Lyrikmarkt.
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